Innovative Unternehmensfinanzierung

24 Nov 2020

Für das Erreichen von Nachhaltigkeitszielen spielen Unternehmen eine wichtige Rolle. Neue Ansätze in der Unternehmensfinanzierung können sie dabei unterstützen.

Dass Nachhaltigkeit nicht nur mit der Reduktion negativer sozialer und ökologischer Footprints zu tun hat, sondern Lösungen mit spezifisch positivem Einfluss beinhaltet (z.B. die aktive Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre), ist spätestens seit der Lancierung der 17 Sustainable Development Goals (SDGs) der UNO bekannt. Wird Nachhaltigkeit so verstanden, besteht die Aufgabe des Privatsektors darin, zu allen 17 SDGs einen positiven Beitrag zu leisten. Gefragt ist die Entwicklung von innovativen, skalierbaren und inklusiven Geschäftsmodellen mit positiver Wirkung unter Einbezug ökonomischer Nachhaltigkeit. Das Institut für Financial Management (IFI) der ZHAW School of Management and Law beschäftigt sich seit Längerem mit der Frage, wie Innovationen in der Unternehmensfinanzierung zu einem positiven Impact im Sinne der SDGs und zu ökonomischer Nachhaltigkeit beitragen können. Dass die Herausforderungen dabei unterschiedlich sein können, zeigen zwei Beispiele aus der Forschungstätigkeit des IFI. Bei beiden von Innosuisse geförderten Projekten steht die nachhaltige und zukunftsorientierte Finanzierung von KMU im Mittelpunkt.

Wachstumsfinanzierung innovativer KMU in der Schweiz

Hiesige KMU mit innovativen Wachstumsprojekten sehen sich häufig mit Finanzierungsproblemen konfrontiert, unter anderem da klassische KMU-Bankkredite zur Finanzierung solcher Vorhaben nicht geeignet sind. Das IFI hat zusammen mit dem Fintech-Unternehmen Swisspeers eine Finanzierungslösung für KMU entwickelt, die zwischen Eigen- und Kreditfinanzierung einzuordnen ist: Das partiarische Darlehen ist im Kern ein nachrangiger Kredit, der aber nur mit einer relativ geringen Fixverzinsung versehen ist. Der andere Teil der Investorenentschädigung erfolgt über eine Erfolgsbeteiligung. Aus dieser Lösung resultiert zusätzliches Finanzierungspotenzial für innovative KMU-Betriebe unter Berücksichtigung von ökonomischer Nachhaltigkeit und bei gleichzeitiger Förderung der finanziellen Inklusion der Crowd.

Finanzierung für Fair-Trade-Produzenten
In den Entwicklungsländern sieht die Situation für KMU meist noch problematischer aus. Fair-TradeGenossenschaften beispielsweise leisten einen wichtigen Beitrag zu den SDGs, haben aufgrund der fehlenden Finanzinfrastruktur in den jeweiligen Ländern aber einen schlechten Zugang zu Finanzierungen. Ein interdisziplinäres Projekt des IFI in Zusammenarbeit mit dem Impact-Investor FairCapital, dem Zentrum für Unternehmens- und Steuerrecht sowie dem Institut für Datenanalyse und Prozessdesign der ZHAW hat zum Ziel, eine dezentrale, Blockchain-basierte Finanzierungslösung für Fair-Trade-Produzenten zu entwickeln. Das trägt zu mehr lokaler Wertschöpfung und reduzierter Armut bei. Auf der anderen Seite soll das Projekt auch zu mehr finanzieller Inklusion in der Schweiz und Europa führen, da Fair-Trade-Konsumentinnen und -Konsumenten an der finanziellen Wertschöpfungskette teilhaben können.

Eigene Fachstelle
Das IFI sieht grosses Potenzial für weitere ähnliche Projekt- und Forschungsansätze im Bereich nachhaltige Finanzierung und hat daher die neue Fachstelle Corporate Performance & Sustainable Financing geschaffen. Sustainable Financing fokussiert sich dabei explizit auf Unternehmens- und Finanzierungsfragen und weniger auf Anlagelösungen. Dabei wird der gesamte Bereich des nachhaltigen Finanzmanagements von Controlling- und Steuerungsthemen bis zur Nachhaltigkeitsberichterstattung abgedeckt.

Quelle: «Competence». Das Magazin der ZHAW School of Management and Law


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