Mindfulness – Balsam für den Geist

09 Dez 2020

Mindfulness ist längst mehr als ein Nischentrend. Das Konzept etabliert sich immer mehr auch in Unternehmen und Hochschulen.

Mindfulness (deutsch «Achtsamkeit») als Studienfach hätte ich mir während meines Studiums vor rund 15 Jahren zwar gewünscht. Um ehrlich zu sein, hätte ich es mir jedoch im Hochschulkontext nicht wirklich vorstellen können. So habe ich stattdessen in meinen Ferien ein Meditationsseminar besucht. Inzwischen haben sich die Zeiten geändert: An der ZHAW School of Management and Law beispielsweise wird heute ein Mindfulness-Wahlpflichtmodul angeboten. Mittlerweile gibt es zudem mehrere Tausend wissenschaftliche Studien und Publikationen zum Thema Achtsamkeit.

Teil der Curricula
Der angelsächsische Raum ist dem deutschsprachigen dabei noch um einiges voraus. So wurde Mindfulness im Vereinigten Königreich bereits grossflächig als Schulfach eingeführt. Auch zahlreiche renommierte Hochschulen wie die University of Oxford, die Harvard Law School oder die London School of Economics haben Achtsamkeitskurse schon länger in ihrem Angebot. Eine Vorreiterrolle in den deutschsprachigen Ländern nehmen die Mindfulness-Lehrmodule von Prof. Andreas de Bruin an der Ludwig-Maximilians-Universität München und an der Münchner Hochschule für Angewandte Wissenschaften ein.

Präsent sein im Moment
Was ist Mindfulness aber überhaupt? Eine mögliche Definition lautet: «Mindfulness means paying attention to what’s happening in the present moment in the mind, body and external environment, with an attitude of curiosity and kindness» (The Mindfulness Initiative). Als Vater der säkularen Achtsamkeitspraxis gilt Prof. Jon Kabat-Zinn. Sie hatte ihren Ursprung Ende der 1970er-Jahre in der Arbeit mit chronisch Kranken. Heute praktizieren gemäss einer amerikanischen Studie aus dem Jahr 2015 13 Prozent der US-Arbeitnehmerinnen und -Arbeitnehmer eine Form von Achtsamkeit. Mindfulness wird zuweilen als die nächste grosse Lifestylerevolution bezeichnet, ähnlich wie die Akzeptanz von Sport und gesunder Ernährung.

Bei Google und Co. im Einsatz
Auch im Kontext von Organisationen gewinnen Mindfulness-Programme zunehmend an Beliebtheit. Einer der Pioniere war Chade-Meng Tan, der bei Google das Search-Inside-Yourself-Programm (SIY) entwickelt hat. Es wird mittlerweile von zahlreichen anderen Unternehmen ebenfalls angeboten. Laut dem SIY Leadership Institute haben es bisher mehr als 50 000 Personen in mehr als 50 Ländern absolviert. SAP ist eine der Firmen, in denen das Programm im grossen Stil zur Anwendung kommt. Dort gibt es mit Peter Bostelmann sogar einen Director of Global Mindfulness Practice. Er führt aus: «Achtsamkeit ist etwas, das den Mitarbeitenden hilft, ihr Engagement, ihre Selbstwahrnehmung, ihre Flexibilität in Zeiten des Wandels zu steigern, das Selbst zu stärken.»

Auch sonst wird die Liste von Unternehmen, die Achtsamkeitsprogramme nutzen, immer länger: Unter anderem gehören dazu Intel, Ford, Daimler, Bosch, dm-drogerie markt, SpardaBank, Credit Suisse, AXA, Siemens, Axpo, LinkedIn, Facebook, RWE, Osram, Red Bull, Weleda, Beiersdorf und Ikea. Die Schweizer Landesgesellschaft des Möbelhauses beispielsweise hat während des Lockdowns für ihre Mitarbeitenden täglich 30-minütige Online-Mindfulness-Sessions angeboten. Auch an der ZHAW gab es regelmässige Achtsamkeitsmeetings via Zoom. Sie stiessen mit mehr als 500 Teilnehmenden auf ein sehr positives Echo. Mindfulness ist somit nicht mehr nur ein Instrument im Gesundheitswesen, sondern es ist im Arbeits- und Bildungsalltag angekommen.

Weiterbildungsmöglichkeiten
Wer noch mehr über Mindfulness erfahren möchte, kann dies z.B. im Weiterbildungskurs Mindfulness im Rahmen des CAS Higher & Professional Education an der ZHAW School of Management and Law tun. Ausserdem ist Achtsamkeit fester Bestandteil im CAS Unternehmensentwicklung, CAS IT-Leadership und innovative Organisationen, CAS Personalentwicklung und CAS Excellence in HR-Consulting.

Quelle: «Competence». Das Magazin der ZHAW School of Management and Law


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